Fahrbericht: der Audi SQ5 TDI im Familiencheck

Foto 19.05.13 13 03 15Am diesjährigen Pfingstwochenende gab’s für mich zwei Alternativen, um dem Alltag zu entfliehen und abzuschalten: ein langes Motorsport-Wochenende beim 24h-Rennen am Nürburgring oder ein Kurzurlaub an die Ostsee. Aus einem familiären, etwa 14 Monate alten Grund, haben wir uns dann gegen das verregnete Zelt an der Rennstrecke und für ein chilliges Ferienhaus in der Nähe von Flensburg entschieden. Mit Friends & Family auf Tour – ein perfekter Anlass, dabei ein Fahrzeug zu testen. Mein erster Wochentest übrigens. Bei Audi hat’s sehr kurzfristig geklappt. Aufgrund des Bedarfs nach ganz viel Platz sollte es ein Q7 4.2 TDI quattro werden. Das war nach meinem Geschmack. Ein paar Mal mitgefahren bin ich in dem fetten SUV bereits. Aber selbst zu checken, was die große Bergziege kann, war eine spannende Herausforderung. Einen Tag vor der Abreise dann die Schreckensnachricht: der Q7 ist eingeschlagen, als Ersatz kommt ein Audi SQ5.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-1Nun gut, ich will ja nicht meckern. Dieses Modell hatte ich bereits auf der Audi SQ5-Fahrveranstaltung unter die Lupe genommen mit dem Ergebnis, dass es sich gar nicht so richtig gern schmutzig macht und daher eher als Stadtauto und Tourer anbietet. Auf viel Bumms kam es mir im aktuellen Test eigentlich gar nicht an. Aber gegen Sportlichkeit und schönes Design haben wir natürlich nichts. Daher war die Freude groß, als der flotte Bolide in der Tiefgarage angekommen ist. Sieben Tage Gas geben und auf Familientauglichkeit prüfen war nun angesagt. Mich hat dabei insbesondere interessiert, ob der SQ5 platzmäßig mit einem großen Kombi konkurrieren kann oder ob ich bei Touren mit viel Ladung an die Grenzen stoße.20130516_114957_Anne_VignetteDas man mit dem zwei Tonnen schweren Biturbo schnell vorwärts kommt, das wusste ich bereits. 313 PS sorgen für rasante Beschleunigung. Ein Hingucker ist der Audi SQ5 jedoch noch nicht. Unser Modell in “Estorilblau Kristalleffekt”, Sonderfarbe für immerhin 1.300 EUR, ist relativ unscheinbar. Wer nicht gerade die kleinen Schilder vorne und hinten entdeckt, kann im geparkten Zustand nur aufgrund der vier mächtigen Endrohre auf unbändige Power schließen. Es gibt jedoch einen Trumpf, den ich fast während der kompletten Testdauer gezogen habe: den Fahrmodus “dynamic”. Dann nämlich brüllt der SQ5. Zwar wird per Sound-Aktuator nachgeholfen, aber das war uns egal. Ebenso wie der dadurch gesteigerte Verbrauch. Wir fahren hier ein mittelgroßes SUV für gut 75.000 EUR. Das wollen wir spüren – und die anderen sollen es bitteschön bemerken. Der Fahrspaß steigt in diesem Modus extrem an, die Gänge werden schön weit hochgezogen und beim Herunterschalten gibt’s nette Klangvariationen. Die Schaltwippen habe ich kurz getestet, die sind prima zu bedienen und sorgen für geschmeidige Gangwechsel. Allerdings kann das Schalten bei 8 Gängen recht aufwendig werden, daher habe ich die Automatik arbeiten lassen.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-8Vor Start der Reise ging es darum, das ganze Gepäck zu verstauen. Frau, Tochter, Kindersitz, Kinderwagen, Klamotten und Lebensmittel für drei Tage im Ferienhaus. Eigentlich sollte noch eine Freundin mit ihrem kleinen Sohn mit. Aber das wäre wohl nur im Audi Q7 möglich gewesen. Der SQ5 ist zwar komfortabel, aber kein Platzwunder. 540 Liter Gepäckraumvolumen erfordern geschicktes Stapeln. Wir haben einige Male ein- und ausgeladen, bis wir in bester Tetris-Manier alle Utensilien untergebracht hatten. Die erhöhte Ladekante ist kein Hindernis. Etwas umständlich, speziell für kleine Personen, war die fehlende elektrische Klappe. Das sollte in der Preisklasse bei so hochbeinigen Fahrzeugen eigentlich serienmäßig sein. Hier die Ansicht vor und nach dem Einladen:audi-sq5-tdi-ladungWir haben am Ende alles gut unterbekommen und die letzte Tasche auf dem Beifahrersitz platziert. Allerdings hatten wir auch viel dabei für gerade mal 3 Tage. Vor dem Start wollte ich noch mal schnell den Kilometerstand auf “null” setzen. Nach 15 Minuten ausprobieren half dann nur noch der Blick in die Bedienungsanleitung. Ganz so intuitiv war die doppelte Tastenfolge auf dem versteckten Schalter hinter’m Lenkrad nicht. Aber es hat ja geklappt. Die Fahrt an die See war dann herrlich und – trotz kleinerer Staus – absolut entspannt. Aus dem Auto möchte man ungern wieder aussteigen. Alle haben genug Platz, die Klimatisierung ist super, die Sitze mega-bequem und der Sound lässt sich regeln und verteilen. So kann man den Verkehrsfunk und Musik auch vorne hören, wenn das Kind hinten schläft. Meist war unsere Kleine aber wach und hat die Fahrt aus ihrer Sitzposition mit guter Sicht in alle Richtungen ebenfalls genossen.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-10Meine Frau saß ebenfalls auf der Rückbank hinter dem Fahrersitz. Und dabei zeigte sich die erste Einschränkungen, denn so richtig viel Platz ist hinten nicht. Wenn also der Fahrer oder Beifahrer über 1,85m groß ist und die Person dahinter über 1,75m, dann wird’s schon eng an der Kniescheibe. Und aufgrund der weit nach hinten reichenden Mittelkonsole ist auch wenig Ausweichmöglichkeit vorhanden. Und beim Einbau unseres Kindersitzes, ein Modell der Marke Cybex, gab’s die zweite Überraschung, denn für die optimale Position mussten wir die Kopfstütze entfernen. Das ist zwar ganz einfach, aber entweder transportiert man sie dann mit oder lässt sie zuhause. Ansonsten haben sich alle sauwohl gefühlt auf der gesamten Tour. Der Sound aus der Bang&Olufsen-Soundanlage ist klasse, kostet aber auch 950 EUR extra. Die getönten Scheiben für 420 EUR machen ebenfalls Sinn, denn auf längeren Fahrten sollen die Kinder vor zu viel Sonne geschützt werden. Und so spart man sich die häßlichen Sonnenblenden mit Comic-Figuren, die meist leider auch die Sicht versperren.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-4Über zu viel Sonne können wir uns leider nicht beklagen. Wir waren froh, nicht im Dauerregen unterwegs gewesen zu sein. Das Auto liegt dank permanentem Allrad-Antrieb zum Glück bei jeder Witterung satt auf der Straße, lässt sich jedoch trotzdem sehr agil bewegen. Und sobald man im Auto Platz nimmt, ist das Wetter sowieso unwichtig. Die Sportsitze in schwarz-silbrigem Leder, die schwarzen Dekor-Einlagen, das unten abgeflachte Sportlederlenkrad und das komplette Infotainment-System sorgen für 100% Wohlfühlstimmung mit einer gehörigen Portion Sportlichkeit. Nur für die entsprechenden Fotos mussten wir wetterbedingt vorher immer wieder Waschanlagen anfahren.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-2Unser Kurzurlaub mit dem Audi SQ5 TDI war am Ende rundum gelungen. Der Platz war knapp ausreichend, aber der Fahrspaß hat das wieder wettgemacht. Einen kleinen Schönheitsfehler gab’s am Ende aber noch. Bei der Abfahrt fiel uns ein recht platter Reifen auf. Die Reifendruck-Kontrollanzeige hatte jedoch keine Meldung angezeigt. An der Tanke wurde dann deutlich: statt 2,8 Bar waren nur noch 2 Bar auf der Pelle vorne links. War ja nicht schlimm, man sollte eben aufmerksam bleiben und sich nicht immer auf alle Systeme verlassen. Nach dem Aufpumpen war dann allerdings die Warnlampe vom Reifendruck an und ging auch nicht mehr aus. Daher führte mich der Weg in Hamburg zum Audi Zentrum.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-11Nach einem leckeren Kaffee und einer Wartezeit von gut 10 Minuten hat ein freundlicher Mitarbeiter den Wagen dann hochgebockt, alles ausführlich geprüft und das System danach resettet. Ein Fehler und die Ursache für den Druckverlust war nicht zu finden. Daher konnte ich den Wagen die nächsten Tage dann noch im Hamburger Straßenverkehr weiter testen. Hier war insbesondere das Schienensystem im Kofferraum eine große Hilfe, wenn es denn nur kleinere Sachen zu transportieren gibt. So können die Gegenstände fixiert werden und rutschen nicht hin und her. Der Kinderwagen allein passt sogar unter die Kofferraum-Abdeckung. Aber viel mehr Platz ist dann nicht.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-9Jetzt gibt es noch ein paar Eckdaten zu unserer Tour:

  • Gesamtstrecke: 534,2 km
  • Fahrtzeit: 10:38 h
  • Durchschnittsverbrauch 9,2 Liter
  • Durchschnittsgeschwindigkeit 50 km/h
  • Insbesondere den Verbrauch finde ich im positiven Sinn bemerkenswert. Unter 10 Liter im “dynamic”-Modus mit einer sportlichen Fahrweise und einem Fahrzeug mit einem Leergewicht von 1920 Kilo. Das ist absolut in Ordnung und tut an der Zapfsäule auch nicht weh.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-13Unser Fazit:
    Wir haben uns wirklich schnell an den Audi SQ5 TDI gewöhnt und mochten ihn nach einer Woche nicht wirklich gern wieder abgeben. Und trotzdem würden wir ihn nicht kaufen. Für das Auto spricht das stimmige Design und das sehr ansprechende Interieur. Wir haben uns in dem Auto sehr wohl gefühlt und es hat Eleganz und Dynamik perfekt vermittelt. Ebenso toll fand ich, dass die 1-Liter-Trinkfalsche in die Türablage gepasst hat und die Soundanlage für optimalen Klang sorgt, der sich sogar verteilen lässt. Und ebenso bemerkenswert sind die Fahreigenschaften. Man kann jederzeit noch eine Schippe drauflegen, um auf der Landstraße zu überholen, zügig durch die Stadt zu kommen oder auf der linken Spur über die Autobahn fliegen. Das ganze wird im entsprechenden Modus, mit einem satten, brüllenden Sound untermalt. So weit so gut.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-6Aber unsere Mission war es, insbesondere den Platz und die Familientauglichkeit zu testen. Und hier offenbaren sich doch einige Nachteile. Insbesondere das Platzangebot auf der Rückbank ist ein Minus. Wenn unsere beiden großen Kinder auch noch mitfahren wollten, würde das kaum klappen. Der Kindersitz muss an die Seite wegen des Gurtes. Damit bleibt nicht genug Platz für die beiden Großen. Der Kofferraum ist geräumig, allerdings muss sorgsam mit dem Platz umgegangen werden, insbesondere mit Kinderwagen und Taschen. Oder eben auf längeren Fahrten. Einfach alles reinstellen wird nicht klappen. Die fehlende elektrische Heckklappe haben wir dabei sehr vermisst. Und das bringt uns zu dem Ergebnis: Der Audi SQ5 TDI ist ein Wolf im Schafspelz. Ein stimmiges, dezentes Auto mit mächtig Druck unter der Haube. Das sportliche Fahren macht Spaß – und der ist an der Tankstelle zum Glück nicht vorbei. Aber für eine große Familie mit viel Gepäck ist es zu klein. Da hätten wir dann doch gern den großen Bruder Audi Q7 getestet. Ideal passen tut er sicherlich für eine dreiköpfige Familie. Dann ist genug Platz für Gepäck und Sitzfomfort.Audi-SQ5-TDI-Fahrbericht-2013-7