Die automobile Alsterrunde

Was für ein Start in die Woche! Die Sonne lacht, es sind endlich annähernd 20 Grad – und damit ist auch die Laune auf einem Höchststand durch die Vorfreude auf den kommenden Sommer. Aber halt, da war doch was: Die Bikinifigur muss wieder her.

Also Turnschuhe an und ne Runde um die Alster gedreht. Heute mit Smartphone in der Hand, um unterwegs den Status “Mayor” mit einem CheckIn auf Foursquare/Alsterrunde zu bestätigen – und mit der App Runkeeper Kilometer und Kalorien zu zählen.

Aber auch auto-mässig gab es unterwegs einiges für’s Auge, daher zeige ich Euch mal die kleine, internationale Autoshow auf der “automobilen Alsterrunde”:

Nach einem kurzen Lauf hin zur Krugkoppelbrücke geht’s rechts ab in die Bellevue – hier warten meist wenig spannende Gebrauchtwagen auf interessierte Käufer. Aber diesmal haben wir diesen himmelblauen, frechen Franzosen gefunden, einen “Citroen DS ID 19B”. Die Form einzigartig, der Komfort sicher auch. Ein Barock-Sofa auf 4 Rädern. Bestens geeignet, die Freundin mit Picknickkorb, Baguette und Champagner an den Elbstrand zu kutschieren und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Dazu vielleicht ein paar leiste Töne von Edith Piaf aus dem ollen Radio…so könnte der Tag sinnvoll genutzt werden.

Kurz dahinter finden wir dann diesen Exoten:
Der “Piaggio Ape 50” macht spontan Appetit auf Italien, eignet sich jedoch weniger für den Ausflug zu zweit, bietet die schmale Fahrgastzelle doch nicht wirklich genug Raum für 2. Und auf die Ladefläche wollen wir die “ragazza” auch nicht packen. Da liegen üblicherweise eh diverse Rotweinflaschen, selbstgepresstes Olivenöl, handverlesene Tomaten und vielleicht ein paar Sommertrüffel. Also holen wir uns ein “gelato” und einen Cappucchino und gucken uns den kleinen Flitzer lieber nur von außen an – für den man übrigens nicht mal einen Auto-Führerschein braucht. Das Teil hat den Status eines Rollers.

Und schon ist das nächste Teil vor der Linse. Das “Goggomobil” wurde von 1955 bis 1969 in Deutschland gebaut und hier publikumswirksam geparkt, um auf einen Hamburger Immobiliendienst hinzuweisen. Wenn die Wohnungen aber ähnlich komfortabel sind wie die Karre, dann ist die derzeit an der falschen Stelle geparkt. Denn hier geht’s eher großzügig und verschwenderisch zu. Trotzdem ist der kleine mit den verschlafenen Augen und den winzigen Spielzeugrädern ein netter Hingucker und auf jeden Fall sympathischer als viele der anderen Poser-Karren hier in der Gegend.

Ordentlich Platz bietet dagegen der nächste Kandidat: Eigentlich ein recht langweiliger Mercedes Transporter, erzählt dieses Unikat mit seiner Graffitti-Bemalung wilde Geschichten von Lagerfeuer-Romantik, und der ein oder anderen Panne unter der heißen Sonne Spaniens. Macht auf jeden Fall gute Laune, so ein Lackkleid. Allerdings ist auch dieser Camper eher ungewöhnlich in dieser schicken Gegend. Es sei denn, hier hat sich jemand einfach den besten Camping-Platz der Stadt gesichert. Abends schnell Grill und Gartenmöbel rausgeräumt, hat man den besten Blick auf die Stadt und kann entspannt den Sommer geniessen, bevor man bei einsetzender Kälte wieder in Richtung Mittelmeer abschüsselt.

Unser nächstes Highlight passt dann wieder wie “Arsch auf Eimer” in’s Strassenbild: Der “Jaguar E-Type” gehört immer noch zu den schönsten Sportwagen vergangener Zeiten und bietet Eleganz gepaart mit Power aus England – Hier stimmt dann auch die Preisklasse im Vergleich zu den Geräten, die sich hier in den Tiefgaragen der Alstervillen tummeln. Unser Tipp: Dach runter, teure Sonnenbrille aufgesetzt und einmal halb um den Teich bis vor’s Cliff gedüst. Dann passt das.

Den letzten Fang machen wir unweit der US-Botschaft. Scheint sich um einen Fan der Highway-Polizei aus Amerika zu handeln. Oder warum packt man sich so ein Logo auf die Seite? Wen soll das beeindrucken? Das Bluesmobil hätte mich mehr begeistert. Aber ein Unikat ist dieser Ford trotzdem. Das war’s schon, der Rest der Strecke liegt fernab der Straße. Und in Eppendorf gibt’s dann wieder nur die vielen langweiligen Porsche, SUVs oder fetten Kombis zu sehen.

Fazit: Inneren Schweinehund überwunden, einige exotische Streetspots entdeckt, Blogbeitrag verfasst und ca. 1.150 Kalorien verbraucht. Sunny thumbs up!