Baja 300 – Wüstenrennen in der Baggerkuhle

Vergangenes Wochenende waren wir mit einer Abordnung Hamburger Kollegen im Tagebaugebiet in der Gemeinde Boxberg in der Oberlausitz unterwegs. Was uns dort auf den Baja 300 Powerdays geboten wurde war ganz großes Kino. Motorsport zum Anfassen, Stars wie Jesse James und Ken Block mitten unter den Fans. Hier unsere Eindrücke.

Am Freitagmorgen fuhren wir von Hamburg aus in die Lausitz bei Dresden. Unter http://twitter.com/motoso_de/ gab’s wie gewohnt die Tweets von unterwegs. Die Strecke ist beachtlich und je näher wir an das ehemalige Tagebaugebiet Boxberg kamen, desto schlechter wurden auch die Straßenverhältnisse. Für echte Offroadfans ein untrügliches Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Kurze Zeit später standen wir dann an der Kante des Eventgrounds, ein gigantisches Loch in der Erde, wo sich früher ein Braunkohlebagger satt gefressen hatte, der in der Ferne noch zu sehen ist. Am Horizont die Kühltürme eines Kraftwerks. Ein absolut imposanter Anblick.


Achtung ungesicherte Kante! Fantribüne direkt am Eventground.

Auf dem Weg machten wir uns so unsere Gedanken, denn ehrlich gesagt hatten wir keine Ahnung was uns erwarten würde. Aber allein die Ankündigung, internationale Stars wie Customlegende Jesse James (hierzulande bekannt etwa durch seine TV Show “Monster Garage” auf DMAX) , Driftmeister Ken Block (der Besitzer des US Schuhlabels “DC Shoes” hat auf Youtube mit seinem “GYMKHANA” Driftvideo die Klickschallmauer durchbrochen) , Rallye-Star Petter Solberg (Norwegische Rallyelegende und Weltmeister 2003) oder Motocross-Ass und Dakar-Sieger Cyril Despres einmal live und hautnah zu erleben, war Grund genug, die Baja 300 Powerdays anzufahren.


Die Fahrerpräsentation im Zelt mit anschließender Ausfahrt.


Internationale Stars der Veranstaltung, Jesse James (li.) und Ken Block (re.).

Trotzdem, eine Ausgabe der legendären Baja Rallye in Deutschland? Das Baja 1000 Rennen in Mexiko zählt immerhin zu den längsten und härtesten Rennen der Welt. Dort geht es auch weitgehend geradeaus durch die Wüste. Das Areal Boxberg hätte dies in Sachen Weitläufigkeit wohl locker geboten. Für die Powerdays wurde jedoch eine Art Rundkurs aufgeschippt mit verschiedenen parallel laufenden Streckenbahnen für Trucks, Rallyeautos und Motocrosser.


General Tire Fahrer B. J. Baldwin pflügt durch den lockeren Sand auf der Truckstrecke…

Großartig für die Besucher, so hatte man die Ungetüme immer im Blick. Die schweren Trophy Trucks hatten dagegen ihre Mühe, die 800 PS Kraft aus dem V8 über die grobstolligen Reifen auf die Strecke zu bringen. Denn die sind ja eher für die holprige Fahrt auf gerader Strecke ausgestattet. Speziell in den hoch angelegten Spitzkehren wühlten sich die mannshohen und tonnenschweren Monster unter lautem Gebrüll regelmäßig ein. Ganz zur Freude der anwesenden Besucher, die die Versuche der Piloten Jesse James, Danny Sullivan, B. J. Baldwin und Gus Vildosola, sich freizuwühlen, mit lautem Gejohle anfeuerten.


…und sucht die Ideallinie auf der Spitzkehre.

Was sich da unten in der Kuhle abspielte, war schlicht der Hammer. Immer mehrere der insgesamt 47 Fahrer aus den fünf unterschiedlichen Klassen Rallye, Buggys, Trophie Trucks, Motocrosser und Freestyler enterten die riesige Grube und starteten auf verschiedenen Streckenteilen. Stimmte das Timing, flog ein schwerer Truck über einen Ralleyfahrer, während ein Motocrosser mit Salto drüber sprang.


Timing ist alles, auf der Strecke gabs reichlich Schikanen für krasse Aktionen.
Foto: http://www.baja300-powerdays.com

Und so sieht das Ganze dann von oben aus:

Die Offroadfans in Europa sollten auf den Geschmack kommen, was an diesem Wochenende voll und ganz gelang. Keine großzügigen Absperrbereiche wie man sie von ähnlichen Motorsportevents her kennt. Die rund 20.000 Fans eroberten schnell das nahe Fahrerlager und bevölkerten die Einfahrt an der Abbruchkante der eigentlichen Rennstrecke im riesigen Tagebaugebiet. Die schweren Trucks, Buggys und Motocrosser ballerten direkt an ihnen vorbei ab in die Grube. Als Zugabe gab es dicke Brocken Boxberg-Sand direkt ins Gesicht, für die Fans die Krönung ähnlich wie bei weiblichen Teeniefans das Erhaschen der Schweißspritzer von der beliebten Boyband.


Ab in die Grube, der Buggy setzt an zum Sprung in den Eventground.

Auch hierzu haben wir ein Video direkt von der Abfahrt zum Eventground! Boxen aufdrehen:

Abends im Festzelt gings dann bei der Race-Night-Party im großen Festzelt zur Sache. Eine mexikanische Band versuchte etwas spanisches Flair aufkommen zu lassen. Den Fans war allerdings eher nach Schlager und Feiermusik, die später aus den Boxen dröhnte. Spätestens als die Fahrer zum Bullride-Contest auf die mechanische Kuh kletterten, flogen am Zelt die Heringe aus dem Boxbergboden. Die Fans skandierten sogar Ken Block auf das Rinderkarusell, die Nähe zu den Hauptdarstellern endete also nicht mit dem letzten Lauf im Eventground. Am nächsten Morgen berichtete unser Shuttlefahrer, dass ein französischer Fahrer nach der Party noch in den nahen Ort gefahren werden wollte und zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wieder aufgetaucht ist. Vollgas eben!


Hamburger Abordnung lässt bei der Racenight die Zylinder Betriebstemperatur aufnehmen.

Die Baja 300 Powerdays 2009 waren die Auftaktveranstaltung für die im nächsten Jahr erstmals geplante Baja 300. Statt 1000 Meilen durch den mexikanischen Wüstensand sollen die brutalen Trophy Trucks dann 300 Meilen durch die imposante Landschaft der Lausitz brettern. So wollen es Initiator und früherer Rallye-Europameister Armin Schwarz sowie Präsident der SCORE-Offroadserie Sal Fish, die sich nach dem Auftakt in diesem Jahr über den regen Zuspruch der Fans freuen.


Armin Schwarz (li.) und Sal Fish (re.) am Eventground.
Foto: http://www.baja300-powerdays.com

Uns Nürburgring erprobte Fans erinnerte das Wetter in der Oberlausitz übrigens schwer an die Zustände in der Eifel. Als es etwa Samstag stark regnete, dauerte es nur etwa 30 Minuten, bis der Himmel sich wieder aufklarte und die Fans wieder aus dem nahen Zelt an die Strecke strömten.

Hier alle unsere Fotos in der Galerie:

Wir wissen nun, dass Offroadveranstaltungen dieser Art in Europa funktionieren und die Fans hier die maximale Dröhnung Motorsport für ihr Geld bekommen. Aber eine Frage bleibt, wie zum Geier spricht man nun das Wort “Baja” eigentlich korrekt aus? “Bacha”? “Baha”? “Badja”? Wir haben auf Twitter gefragt und selbst dort keine wasserfeste Antwort bekommen. Wisst Ihr es? Dann Kommentar schreiben!

Wir freuen uns aufs nächste Jahr!

P.S.: Vielen Dank an die netten Mitarbeiter von General Tire, die uns den Aufenthalt in der Lausitz ermöglicht haben. Astreine Organisation und Betreuung vor Ort!

Ach und wem das alle zu hektisch und überhaupt viel zu laut ist der schaue sich bitte folgendes Video an, wir haben das Offroadballett nämlich noch mal etwas “entspannter” festgehalten: